Montag, 16. September 2019

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Feuerwehrangehörige arbeiten erstmals auf Kriegsgräberstätte in Frankreich

Spontan haben sich im letzten Herbst Feuerwehrkameraden aus verschiedenen Altersabteilungen von Feuerwehren im Landkreis Biberach bereit erklärt, einen Einsatz auf einem Kriegsgräberfriedhof im Ausland zu leisten. Nach Wochen der Vorbereitung und Organisation war es Mitte Juni soweit: Elf Feuerwehrsenioren aus Erolzheim, Kirchdorf, Berkheim, Oberessendorf, Moosburg, Hailtingen, Emerfeld und Schwendi  fuhren mit zwei MTW´s, die vom DRK Biberach und der Feuerwehr Erolzheim freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurden für zwei Wochen nach Frankreich, um auf der Kriegsgräberstätte „Spicherer Höhen“ zu arbeiten. Untergebracht waren die Feuerwehrkameraden auf deutscher Seite in der Graf-Werder-Kaserne in Saarlouis.Bild1Die Ortschaft Spicheren hat etwa 3300 Einwohner und liegt oberhalb von Saarbrücken auf französischer Seite

Die Ortschaft Spicheren liegt auf einem Plateau oberhalb von Saarbrücken auf französischer Seite. Auf dem so genannten „Roten Berg“, die Bezeichnung rührt vom roten Sandstein her, fand am 6. August 1870 die Schlacht von Spicheren statt, eine Schlacht des deutsch-französischen Kriegs 1870-71. DSC 3314... Prinz Carl von PreussenDSC 3313Gedenken an die Gefallenen des Grenadierregiments ...Die bergwärts anrückenden preußischen Soldaten griffen die französischen Kräfte auf der Höhe an und konnten diese schließlich unter starken Verlusten besiegen. Deshalb sind in diesem Waldgebiet  zahlreiche deutsche Mahnmale errichtet, welche an die Toten aus dieser Schlacht erinnern.

Das Denkmal, das an die 528 gefallenen Soldaten des 2. Brandenburgischen Grenadierregiments Nr.12 „Prinz Carl von Preussen“ erinnert, das 1897 von den Deutschen errichtet worden war, steht auf einem kleinen Plateau in dicht bewaldeter Hanglage unterhalb der Ortschaft Spicheren, wo ein viel frequentierter Wanderweg vorbeiführt. Bild2Das Denkmal, eingewachsen und vermoostBild5Überall Brennnesseln und UnkrautDas Denkmal, bestehend aus einem wuchtigen roten Sandsteinsockel mit aufgesetzter Marmorsäule ist von zwei Seiten über einen Treppenweg erreichbar, der vom Wanderweg abzweigt. Bereits im März wurden bei einer Vorausfahrt die zu behebenden Mängel festgestellt, allzu viele, wie schon der erste Eindruck verriet. Das Denkmal war vermoost, die Umgebung restlos mit Unkraut, Brennnesseln und Baumtrieben zugewachsen. Bild13Mit Hochdruck gegen das MoosBild8Erneuerung der Treppen und neues GeländerDa musste eine Radikalkur her. So wurden die entsprechenden Maßnahmen mit dem Ansprechpartner des Volksbundes in Frankreich,  Jacques Wagner überlegt und die notwendigen Schritte festgelegt sowie die benötigten Materialien bestellt.

Zunächst wurde das meterhohe Unkraut in der Umgebung des Denkmals und am gesamten Hang ausgerissen, das alte Geländer abgetragen und das Moos vom Sandsteindenkmal entfernt. Gleichzeitig erneuerte ein beauftragter Steinmetz abgebrochene Sandsteine. Bild15Neuer Schotter, neuer Splitt verschönern den WegBild14Die schweren Sandsteinplatten werden neu verlegtIn der Umgebung des Monuments wurden die schweren Bodenplatten, die teilweise eingesunken waren, ausgehoben und mit Hochdruckreiniger gesäubert. Die Flächen um das Denkmal wurden planiert, neu eingeschottert und die Bodenplatten neu verlegt. Eine ehemalige desolate Sitzbank konnte mit neuen Hölzern versehen und wieder aufgestellt werden, zugleich verewigte Charly Kößler den Kreisfeuerwehrverband auf der neuen Lehne. Bild19Alle sind zufrieden mit der Arbeit, auch die Damen vom Rathaus SpicherenBild16Charly freut sich über die neue Sitzbank und seiner eingefrästen WidmungUm die Steigung an den beiden Treppen zu verringern, setzten die Arbeitskräfte Zwischenstufen ein und brachten Schotter und Splitt ein. Gleichzeitig wurden neue Pfosten für den Handlauf des circa 60 Meter langen Geländers gesetzt, die Handläufe passgenau angebracht und verschliffen. Andere Kräfte sprühten den Sandstein des Monuments mit Moosentferner ein, schrubbten das Moos und die Verunreinigungen ab und strahlten den Stein mit Hochdruckreiniger ab. Dieser Vorgang wurde mehrere Male wiederholt, sodass das Monument wieder den ursprünglichen Zustand erhielt. Bild24Eine gelungene RestaurierungBild20Nur noch Feinarbeiten und Angießen der neu gesetzten FarneLockere Stufen am Sockel des Denkmals konnten entfernt und neu gesetzt werden, Fugen wurden ausgebessert und die einzelnen Stufen angepasst. Um ein Abrutschen des Bodens an den Wegrändern hangabwärts zu verhindern, wurden Schwellen aus Altholz verlegt, die teilweise eingegraben werden mussten. Auch am Wanderweg oberhalb des Monuments entschied man sich in Absprache mit dem örtlichen Bauhof für die Anbringung eines Geländers.

Somit wurde die gesamte Anlage wieder in einen Zustand versetzt, der die Attraktivität des Denkmals um ein Vielfaches aufwertet. Von Seiten des Volksbundes und der Gemeinde Spicheren wurde großes Lob und Anerkennung ausgesprochen. Auch Wanderer, welche sich seit vielen Jahren über den heruntergekommenen Zustand des Monuments geärgert hatten, sprachen der gelungenen Renovierungsarbeit durch die elf Feuerwehrangehörigen ein hohes Kompliment aus.

IMG 9892 FILEminimizerDie Gäste sind eingetroffen: v.re.: Regierungspräsident Klaus Tappeser, Bürgermeister Jean Charles Giovanelli, Präsident des Volksbundes Wolfgang Schneiderhan, Frau Carol Novy, Volksbund FrankreichIMG 9897 FILEminimizerAuch die Feuerwehrmannschaft ist angetretenBis zum Zeitpunkt der Gedenkfeier, die bei jedem Arbeitseinsatz auf Kriegsgräbern stattfindet, war ein Großteil der Arbeiten soweit erledigt, so dass die Feier am Dienstag in der zweiten Woche unmittelbar am Denkmal stattfinden konnte. An ihr nahmen neben den Feuerwehrangehörigen in Uniform auch der Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge Wolfgang Schneiderhan, der Regierungspräsident von Tübingen Klaus Tappeser, der Bürgermeister von Spicheren Jean-Charles Giovanelli, Jaques Wagner, der Liegenschaftsverwalter des Volksbundes, Werner Hillen, der Landesvorsitzende des Volksbundes im Saarland und weitere Gäste teil. Alfons Christ vom Kreisfeuerwehrverband Biberach begrüßte die Gäste und führte durch das Programm, während Bürgermeister Giovanelli und Präsident Schneiderhan jeweils eine Ansprache hielten. Präsident Schneiderhan betonte, dass das Gedenken an die Gefallenen der Kriege nach wie vor Sinn mache, denn dadurch werde den Menschen bewusst gemacht, wie sinnlos und menschenverachtend alle Kriege waren und auch heute sind. Hass und Intoleranz gegenüber Menschen anderer Rasse, anderer Religion, anderer Herkunft bilden den Nährboden für Extremismus und Chaos. Denn Kriege brechen nicht einfach aus, sie werden von Menschen mit solchem Gedankengut vorbereitet und gemacht. Bürgermeister Giovanelli wertete den Einsatz der Feuerwehrleute als großes Zeichen der Völkerverständigung zwischen Deutschen und Franzosen. Nach dem Totengedenken legten Bürgermeister Jean-Charles Giovanelli, Wolfgang Schneiderhan und Klaus Tappeser einen Kranz am Denkmal nieder und Karl Reich, unser Feuerwehrtrompeter spielte den „Guten Kameraden“. IMG 9923 FILEminimizerv. re.: Präsident Wolfgang Schneiderhan, Bürgermeister Jean-Charles Giovanelli, Regierungspräsident Klaus TappeserIMG 9920 FILEminimizerKranzniederlegung am restaurierten Denkmal Den Abschluss der Gedenkfeier bildete ein Empfang im Rathaus von Spicheren, bei dem Regierungspräsident Klaus Tappeser die Bedeutung des Volksbundes und damit das Gedenken an die Opfer der Kriege hervorhob, das für uns stets eine Mahnung für den Frieden sein soll.

Natürlich kam auch der kulturelle Teil unseres Aufenthalts im Saarland, bzw. in Frankreich nicht zu kurz. Ein Programmpunkt bildete eine Führung durch die Völklinger Hütte, einem ehemaligen Eisen - und Stahlwerk, das 1986 stillgelegt und einige Jahre später zum Weltkulturerbe erhoben wurde. Ein Ausflug zur Saarschleife bei Mettlach mit Begehung des Baumwipfelpfads war ein weiteres Ausflugsziel. Der Kommandant der Feuerwehr Spicheren Christophe Klein lud die Gruppe zur Stützpunktfeuerwehr Forbach und zu seiner eigenen Feuerwehr ein. Damit konnten die deutschen Feuerwehrleute einen Einblick in die Struktur der französischen Kameraden erhalen.

Dieser erste Kriegsgräbereinsatz von Feuerwehrangehörigen aus dem Kreis Biberach verlief ohne Zwischenfälle und Verletzungen. Die Zusammenarbeit mit  dem Volksbund war vorbildlich, alle vorgesehenen Materialien, Werkzeuge und Maschinen waren, bzw. wurden termingerecht geliefert, ein Ansprechpartner war stets zur Stelle, wenn Fragen und Unklarheiten auftauchten. IMG 9933 FILEminimizerEine würdige Gedenkfeier zu Ehren der gefallenen SoldatenAuch die Unterstützung durch die Gemeinde Spicheren war beispielhaft, wir konnten jegliche Hilfe vom Bauhof anfordern und auch erhalten. Für alle war dies ein Einsatz, den wir mit viel Freude, Motivation und Engagement ausgeführt haben. Wir sind der festen Überzeugung, dass wir damit nicht nur das Gedenken an die Gefallenen aufrecht erhalten, sondern wir glauben auch,  damit einen Dienst für den Frieden geleistet zu haben. Alle Teilnehmer sprachen sich für einen weiteren Einsatz im nächsten Jahr aus, denn auch in Spicheren gibt es noch weitere Denkmale zu sanieren, viel Arbeit wartet dort noch.
                                                                                                                                           Bericht:ac,  Bilder:KFV/Werner Hillen


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